Open Eyes //

Black Stars

An wechselnden Veranstaltungs­orten treffen sich jährlich Direktoren, Kuratoren, Historiker und Gestalter auf dem Museums­treffen. Im Essener Ruhr Museum dreht sich in diesem Jahr alles um die Objekte, als die Stars einer jeden Ausstellung. Die Stars des Ruhr Museums zeigen sich jedoch eher schwarz und voller Kohlen­staub.

Das Kongress­­programm dagegen ist alles andere als ver­staubt. Kein Vortrag kommt ohne die Veränderungen durch die Digitalisierung aus, die endlich auch in der Museums­szene anzu­kommen scheint. Angesichts dessen kommt natürlich der Dis­kussion um die Rolle der Exponate eine besondere Rolle zu. Eine Frage, die auch uns von VISUELL beschäftigt: Wie können wir Exponate sinn­voll um digitale Inhalte erweitern? Wie gestaltet man eine Synthese aus haptisch und digital, anstelle der zu häufig gesehenen Entweder-Oder-Lösungen?

Im An­schluss an den Kongress folgt eine Führung durch die Ausstellung im Ruhr Museum. Die alten Kohle­schächte, Förder­türme und Ge­bäude beeindrucken allein durch ihre schiere Größe und ihre funktionale Bauweise. Von Insidern wird der Architekt dieser Industrie­bauten augen­zwinkernd als Le Corbusier des Ruhrpotts bezeichnet. Die Ausstellung im Museum beeindruckt mit spektakulär inszenierten Werkzeugen und Maschinen. In allen Räumen spielen die Gestalter mit den hohen Decken und den ver­schmutzten Wänden. Obwohl sich die Exponate in ihrem originalen Umfeld – dem Kohlen­schacht – befinden, werden sie durch die Inszenierungen aus diesem herausgerissen: So schweben Werkzeuge frei im Raum, historische Lampen formen neue Installationen und Ölgemälde der so genannten Schlot-Barone zieren die rauen Wände. Durch diese Inszenierung werden die abgenutzten Werkzeuge zu den schwarz-staubigen Stars der Ausstellung. Interaktive Exponate sucht man im Ruhr Museum bislang jedoch vergeblich. Ein Fingerzeig der Kongress­veranstalter? Und wenn ja: in welche Richtung?

Mit belegten Berg­arbeiter-Stullen endet ein erfolg­reicher Kongress­tag. Organisator Uwe Strauch ver­abschiedet jeden der Teil­nehmer persönlich. Trotz zwei­maligem Umsteigen auf der Heim­reise fahre ich glücklich nach Hause und lasse beim Schreiben dieses Artikels den Tag Revue passieren.