Einblicke //

Napapiiri

Hyvää Huomenta – mit diesen netten Worten beginnt mein Tag in Rovan­iemi, – es heißt „guten Mor­gen“ auf finnisch und es fällt mir immer noch schwer es mir zu mer­ken. 

Es ist 9 Uhr am Morgen und die Sonne schaut noch nicht über den Horizont hervor. Drau­ßen hat es –21 °C und mein Auto ist eine weiße Kugel, schnee­bedeckt, wie alles an­dere auch. 

Ich bin am Polar­kreis (Napapaiiri) und mache mein 5. Semester an der Lapin Yliopisto University of Lapland, 2.765 km nördlich von Stutt­gart, um die Men­schen, die Na­tur und vor allem das außer­gewöhn­lich schöne und schlichte nor­dische Design kennen zu lernen. 

Es gefällt mir wahn­sinnig gut und ich fühle mich sehr wohl. Ver­mut­lich liegt das vor allem an Nadja, Kari, Jade und Aada, der finni­schen Familie, die mich hier un­heimlich herz­lich auf­ge­nommen hat. Die Natur erkunde ich mit Iita, sie ist ein Ren­tier­hund und ganz ver­rückt nach dem vielen Schnee.

Die Uni­versität ist super groß und die Art and Design Faculty ist sehr modern und bietet eine Viel­zahl an unter­schied­lichsten Kur­sen. Vom realis­tischen Akt­zeichnen über ana­loge und digi­tale Foto­grafie bis hin zu theo­retischen Vor­lesungen über finnisches Design lerne ich die volle Band­breite. Ganz zu schweigen von dem finni­schen Sprach­kurs, den ich belege! Die Sprache kennt zwar keine Geschlech­ter und keine Zu­kunft ist aber trotz­dem sehr schwer zu lernen, da sie keiner anderen Spra­che gleicht.

Na­türlich habe ich auch schon Nord­lichter gesehen, aller­dings muss man ge­duldig sein und weit hinaus fahren um der Licht­ver­schmutz­ung zu ent­kommen. Eine gute Kamera ermög­licht einem die Lich­ter noch besser zu sehen als mit blo­ßem Auge. Zwar ist es un­glaublich beein­druckend die grünen Farb­flächen kommen und gehen zu sehen, aller­dings fällt es einem schwer es wirklich zu genie­ßen. – Dabei ver­suche ich nicht an meine ein­gefrorenen Zehen zu denken und wärme mich anschlie­ßend in einer Hütte bei –7 °C von den –28 °C auf, dabei ver­gesse ich in diesem Moment tat­sächlich, dass die „auf­ge­wärmte“ Holz­hütte eine Tem­peratur unserer Gefrier­truhe hat!